Die Zeit die bleibt

Konzentration auf den Fotografen
 
 

Was sollte man vorab wissen
OT Le Temps qui reste | Regisseur François Ozon | Erscheinungsjahr 2005 | Genre Drama | Sprache Deutsch | Dauer 81 Minuten | Darsteller Melvil Poupaud, Ugo Soussan Trabelsi, Jeanne Moreau, Christian Sengewald, Daniel Duval, Marie Riviére

Valladolid Film Festival | Won best actor | Melvil Poupaud

Handlung
Der gefragte homosexuelle Modefotograf Romain ist 30 Jahre alt, als er erfährt, dass er Krebs hat und dass die Wahrscheinlichkeit für eine Heilung durch Chemotherapie oder Bestrahlung kleiner als fünf Prozent ist. Er verzichtet auf jede Therapie und weiht nur seine Großmutter in sein Leiden ein. Auf den nahen Tod bereitet er sich vor, indem er sich in selbstgewählte Einsamkeit zurückzieht.

Die Einfachheit mit der Zeit
Wie nutzt man die Zeit, die man noch hat wenn man schwer krank ist und es kaum Möglichkeiten gibt auf Heilung? Dieser Frage geht Ozon gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller Melvil Poupaud auf den Grund. Man ist geneigt als Mensch, der noch nie in so einer Situation war, zu sagen man versucht mit den Menschen die einem Nahe sind ins Reine zu kommen. Diesen Weg beschreitet Romain nicht. Stattdessen geht er, wie zu vor auch, seinen Weg. Er entscheidet sich mit sich ins Reine zu kommen. Erschreckend dabei an manchen Stellen seine gnadenlose Ehrlichkeit seinem Umfeld wie auch zu sich selber. Aber diese Konsequenz kann ich jedenfalls viel abgewinnen.

Dass die Schönheit, die Coolness und die Arroganz langsam immer mehr bröckelt und weicht je mehr sich die Hauptfigur mit sich und seinem Schicksal abfindet wird ziemlich gut gezeichnet. Man hat nicht nur in der Sprache sondern auch in der Körperhaltung und in seinen Augen eine Veränderung. Das Poupaud nicht einmal eine Nominierung für den französischen Filmpreis Cesar bekommen hat ist für mich nicht nachvollziehbar.

Das Umfeld von Romain
Es gibt eigentlich zwei Hauptfiguren in dem Film. Die eine ist Romain selber und die andere sein Umfeld im Gesamten. Man lernt einige Personen kennen, die einen größeren Einfluss auf ihn haben wobei auch Verhaltensmuster geschickt aufgezeigt werden, wo ich mich auch wieder erkannt habe. Besonders einprägsam natürlich die Begegnung mit seiner Großmutter, die fantastisch dargestellt wird von der Granddame des französischen Kinos Jeanne Moreau. Ein wahres Highlight.

Résumé
Die Charakterstudie ist mit seiner Laufdauer von 81 Minuten sehr kompakt, konzentriert sich auf das Wesentliche und lässt sentimentale Schlenker aus. So sieht man nicht wie es der Hauptcharakter einer Bezugsperson erzählt, dass er schwer krank ist. Der Film kommt trotz des ernsten Themas sehr unkompliziert daher und lässt in die Seele eines Menschen in dieser Situation blicken. Zu guter Letzt ist die Kameraarbeit lobend zu erwähnen, die Stimmung schön einfängt und sehr stimmig mit der Handlung ist. Ein Film der anregt und einlädt zum Diskutieren.

Genre Wertung 7|10 Filmstreifen
Film Wertung 7.5|10 Filmstreifen

Ich bin im übrigens der Meinung, dass das Publikum viel besser ist als es viele Produzenten für möglich halten.

18.11.14 22:47

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